Das geplante Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige im Vereinigten Königreich könnte VPNs wieder ins Zentrum der Debatte über Online-Sicherheit, Datenschutz und die Wirksamkeit von Alterskontrollen rücken. Die Diskussion findet drei Jahre nach der Verabschiedung des Online Safety Act (OSA) statt. VPN-Anbieter bezeichnen dessen Ansatz als übermäßig rigide und nur teilweise erfolgreich.
Das Gesetz hat einige Veränderungen bewirkt: Plattformen sind verpflichtet, Material über sexuellen Kindesmissbrauch aufzuspüren und zu entfernen, bestimmte schädliche Handlungen wurden kriminalisiert und Strafen für Verstöße eingeführt. Die Durchsetzung ist jedoch weiterhin uneinheitlich, insbesondere bei kleineren Websites. Alterskontrollen bei großen Diensten könnten Kinder zudem dazu bewegen, auf kleinere, weniger regulierte Alternativen auszuweichen.
Dr. Peter Membrey, Chief Research Officer bei ExpressVPN, sagte, die Gesetzgebung habe die Online-Sicherheit von Kindern auf die Tagesordnung gesetzt. Er verwies jedoch auf einen Bericht von Ofcom, dem zufolge sich der Anteil der Kinder, die schädlichen Inhalten begegnen, insgesamt nicht signifikant verändert hat. Auch die Molly Rose Foundation warnte, dass eine zaghafte Regulierung schwerwiegende Folgen haben könnte.
VPNs gerieten in den Blickpunkt, als 2025 die Anforderungen zur Altersverifizierung in Kraft traten. Damals gab es Bedenken, dass Menschen sie nutzen könnten, um Beschränkungen zu umgehen. Ein Bericht des Ministeriums für Wissenschaft, Innovation und Technologie ergab jedoch, dass 7 % der Kinder VPNs nutzten, um auf eingeschränktes Material zuzugreifen. Als Hauptgrund für die Nutzung nannten Kinder den Datenschutz. VPN-Anbieter argumentieren unterdessen, dass Alterskontrollen Datenschutzrisiken bergen können, weil dafür sensible Daten an Dritte weitergegeben werden müssen.
Ofcom kündigte vergangene Woche erste Schritte hin zu einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige an; Alterskontrollen werden Anfang 2027 erwartet. Eine im Bericht angeführte Studie von EE legt nahe, dass 42 % der 11- bis 15-Jährigen versuchen werden, das Verbot zu umgehen. VPNs können möglicherweise keine Identitätsprüfungen auf Kontoebene umgehen. Anbieter warnen jedoch, dass Einschränkungen von VPNs legitimen Nutzern schaden und manche zu riskanten kostenlosen Diensten treiben könnten.
ExpressVPN und Proton zufolge können VPNs mit Online-Sicherheitsgesetzen vereinbar sein, statt eingeschränkt zu werden. Da die Wirksamkeit von Alterskontrollen und die Folgen für den Datenschutz weiterhin umstritten sind, könnte das geplante Verbot VPNs und den Zugang junger Menschen zu Online-Diensten erneut stärker in den Fokus rücken.
Quellen: TechRadar.
